Es gilt, zu differenzieren: Erforderlich sind kleine Gruppen lediglich in den ersten Schuljahren, weil es unmöglich ist, kleine Kinder in grossen Gruppen ganzheitlich, also in allen Bereichen der Entwicklung, angemessen zu fördern. Das gelingt auf der basalen Stufe nur mit einer hohen Betreuungsintensität! Eine Kindergärtnerin allein mit 20 Kindern ist von vornherein überfordert. Sie kann nicht gewährleisten, dass alle Kinder bis zum Schuleintritt den Zahlbegriff bis zur Zahl 7 aufbauen oder dass sie einen guten Wortschatz und Grundlagen in sozialer Kompetenz erwerben. In der ersten bis dritten Klasse werden die Gruppen in den Hauptfächern Sprache und Mathematik in mehreren Stunden pro Woche halbiert. Man fragt sich: Warum nicht im Kindergarten? Dass Kindergärtnerinnen, im Unterschied zu Unterstufenlehrerinnen und Unterstufenlehrern, doppelt so viele Kinder unterrichten müssen, ist paradox! Gerade im Kindergartenalter sollen Basiskompetenzen in breit gefächerten Bereichen der nicht schulischen und der schulischen Entwicklung vermittelt werden. Das ist in Gruppen von 20 und mehr Kindern schlicht unmöglich, auch nicht mit bestens ausgebildeten und erfahrenen Kindergärtnerinnen. Ein Beispiel dafür, dass Kinder in den ersten Schuljahren nicht ausreichend gefördert werden können, ist daran erkennbar, dass viele Erwachsene unleserlich oder langsam schreiben, weil sie das Schreibzeug ergonomisch unvorteilhaft halten oder das Zehnfingersystem nicht beherrschen.

In der Schule ist es anders: Bereits ab der ersten oder zweiten Klasse können die Klassen gross sein, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Kinder selbstbestimmt im eigenen Tempo arbeiten dürfen, denn das entlastet die Lehrpersonen. Es gibt Lehrpersonen, die es bevorzugen, mit grossen Klassen zu arbeiten. Eine grosse Gruppe zu unterrichten und zu führen, erfordert zwar mehr organisatorisches Geschick. Dafür generieren mehr Kinder mehr positive Anregungen, die von einer negativen Dynamik ablenken können. Es gibt Schülerinnen und Schüler, die dauernd am Lehrerpult «kleben», wenn die Klasse klein ist. In grossen Klassen vereinnahmen einzelne Kinder die Lehrperson instinktiv weniger für sich, weil offensichtlich ist, dass sie weniger Zeit hat.

Also: Wenn es im Jargon heisst, für einen ausreichenden Lernerfolg brauche es generell kleine Gruppen, ist das zu wenig differenziert und falsch.

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