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Auf die Frage: «Was ist das Beste am Lehrerberuf?», antworten manche Lehrpersonen: «Das Beste am Lehrer sein ist das Verteilen von Noten!» Derweil stellen viele Menschen die Wirksamkeit der Noten infrage. Die Vergabe von Noten und anderen Bewertungen wie «besonders begabt», «begabt» oder «schwach begabt» ist für viele Schülerinnen und Schüler belastend und führt zu Diskussionen. Im Dezember 2019 etwa, hiess es in Schweizer Medien: «Lehrer stellen Noten infrage» oder: «Schweiz will Noten in den ersten sechs Schuljahren abschaffen.» Das Thema «Noten» ist komplex. Doch es ist unsinnig, Noten zu verteufeln oder abzuschaffen. Denn: Noten sind nicht per se belastend. Sie müssten kein Trauma sein, denn sie haben eine wichtige Funktion: Sie sollen den Stand der Leistungen anzeigen. Wenn ein Schüler eine Prüfung schreibt, möchte er wissen, ob und wie er sie bestanden hat. Wenn er 10 von 12 Aufgaben richtig löst, macht es keinen Unterschied, ob ihm die Lehrperson oder das digitale Lernprogramm anstatt «10 richtig» eine «5» erteilen (was im deutschen System einer 2 entspricht). Dasselbe gilt für das Verteilen von Ampelfarben statt Noten: Grün bedeutet: «Weiter so!», Orange: «Knapp ungenügend.» und Rot: «Ungenügend.» Es spielt keine Rolle, ob Noten, Farben oder Wortzeugnisse erteilt werden. Anders sieht es aus, wenn die Lehrperson der Klasse den Zeitpunkt und das Thema vorgibt, zu dem eine bestimmte Prüfung stattfindet. In diesem Fall schaden Bewertungen allen Schülern, wenn auch nicht in gleichem Masse. Noten und andere standardisierte Bewertungen, die unter solchen Bedingungen zustande kommen, sagen nur einen Bruchteil aus darüber, was die einzelnen Schüler tatsächlich zu leisten vermögen. Sie zeigen hauptsächlich, wie die Leistungen der einzelnen Schüler dastehen im Vergleich zu den Leistungen der anderen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem der Schüler eventuell noch gar nicht für die Prüfung bereit war. So werden Noten zum Trauma. Und Rekurse von Eltern gegen Zeugnisnoten nehmen zu, es kommt sogar zu Betrügereien. Das alles ist Ausdruck von Hilflosigkeit und Empörung gegenüber der Tatsache, dass Kinder nicht ihren Bedürfnissen entsprechend gefördert werden. Das prominenteste Beispiel dafür ist jenes von Felicity Huffman. Sie hatte 15.000 Dollar Schmiergeld bezahlt, damit die Antworten ihrer Tochter beim landesweiten Einstufungstest SAT besser bewertet werden. (Blick, 2019)

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